11.9.12 Uglitch

Um halb 7 war es draußen schön rosa getönt. Nach Dusche wurde es schon toll orange, hinten sah man ein großes Gebäude. Was könnte das sein?


Vorauskamera angemacht – ui, da sind Kirchen und Türme! Halstuch, Jacke, Foto, Kamera und raus, wir sind ruckzuck schon da. Wieso war ich als einzige draußen? Schlafmützenschiff... Nachher sehen wir das nicht mehr aus dieser Perspektive, da liegen wir fest, die Sonne geht rund und die Viktoria wird vor unserem Fenster parken.









Das große Gebäude ist die Schleuse. Doof ist: wenn wir heute Mittag da hin fahren, sitzen wir beim Essen...?

Jetzt ist erst mal Frühstück, von 7:30 – 9 Uhr, wir sind früh, und um 9 Uhr beginnt der Ausflug zu Fuß.

Wir gehen wieder schön nach Gruppen sortiert los. Der erste Weg führt in eine Gemäldegalerie, wo ein Chor aus 5 Männern uns zwei Lieder singt, um dann ihre CDs zu verkaufen. Sie hatten aber aus zwei Gründen Pech: uns wurde gestern in einer Kirche schon von 4 Männern toll was vorgesungen, da haben viele schon CDs gekauft, und die Herren heute waren auch noch teurer. (Das waren also praktisch die russischen „Teppichverkäufer“).

Draußen bekam jeder eine Eintrittskarte für die berühmte Dimitri-Blut-Kirche, die da gebaut ist, wo der Sohn des Zaren starb, weil er vermutlich bei einem epileptischen Anfall in ein Messer gefallen ist. Manche vermuten auch anderes wie z.B. Absicht.    Sie hat 2 Räume, also passen nur 2 Gruppen rein. Dort drin ist eine Glocke, die für irgendwas bestraft und nach Sibirien verbannt wurde... manches ist schon seltsam bei den Russen...




bemalte Holzdosen


Wir gingen auch in die gelbe Kirche hinein, die innen so bemalt ist, dass sie viel größer erscheint. Wirklich gut gemacht. Hier sangen drei Frauen. Meist gehören diese zur Familie des Pastors.
Es gab viele Erklärungen, zu den Gewändern, die draußen ausgestellt waren, zu den Sitten und Gebräuchen. Viel russische Geschichte!
Um 11 Uhr war die Führung beendet und wir wurden freigelassen. Spaziergang rundherum und gucken. In der Tourist Info gab es sogar ein Heft auf deutsch. Uhrengeschäfte (zu teuer für Axels Wunsch), Buran und Tschaika werden hier in der Gegend hergestellt; Beratung von zwei Damen für den Schwiegersohn; Straße entlang zu den nächsten Kuppeln, das war noch ein Kloster, aber diesmal nicht für Touristen zurecht gemacht, sondern eine halbe Baustelle, auch drinnen, wo wir mit Kopftuch ausgerüstet mal reinguckten.


Feuerwehr


In einem kleinen Lädchen, wo extra für uns Licht angemacht wurde, fanden wir den Pin-Ersatz. Hier war mal Zeit, einfach so durchs Städtchen zu bummeln.


Zum Abschluss bummelten wir seeehr ausgiebig durch die Souvenirgasse. Da gab es doch schon wieder solche Jacken mit Motiv.... Aber die wollten 1300 Rubel. Nö.

An Weihnachten fragt man sich dann: Was kriegt eigentlich der und der geschenkt – hier liegt alles voller besonderer Geschenke. So was sollte man sich mal vor der Reise überlegen...

Also, ich hab doch noch eine Bernsteinkette bekommen für nur 10 € mit Feuerzeugtest (hätte auch ohne gut weiterleben können, aber wenn man in der Bernsteingegend ist....). Und doch noch eine Jacke.... Die letzte an einem Stand, für 1000 so wie in Goritsy und in weinrot mit Rentieren. Ist fast eine Weihnachtsjacke, aber im März wird sie auch nach Finnland ausgeführt. Toll kuschelig!

Mittagessen war um 1 - ich war heute schnell fertig - und Abfahrt um 2 Uhr.
In Uglitsch war ordentlich Schiffsverkehr. Als wir ablegten, waren es sechs Schiffe. Man in ein paar Minuten an der Schleuse. Dort mussten wir warten, bis ein Schiff rausgefahren war, das ich aber verpasst habe. War auch so eins wie unseres.







Wir fuhren rein, wurden festgemacht. Hinter uns kam die Ryblev. Insgesamt dauerte der Schleusungsvorgang dadurch 45 Min, bis wir oben raus fuhren. Das riesige Schleusen-Gebäude ist ein Denkmal zum 2. Weltkrieg, Triumphbogen.

Oben warteten zwei weitere Schiffe mit winkenden Leuten an Bord.
Die Ryblev hat uns noch fotogen überholt, dann war ungefähr 2 Std. Zeit bis Kaljasin, wo der schöne Kirchturm aus dem Wasser guckt. Habe mal ein paar Fotos übertragen. Dann haben wir genau ab 5 (Katharina ist pünktlich!) in 23 Minuten (Katharina hat lange Beine) 10 Runden auf Deck 3 gedreht. Vermutlich hatte sie es eilig, damit wir bis zum Kirchturm fertig sind, den sie dann ansagen musste. Das haben wir geschafft.




Außerdem konnte man prima ein riesiges Radioteleskop sehen. Der Ort Kaljasin wurde umgesiedelt, wir fuhren praktisch mit dem Schiff über den Marktplatz. Den versunkenen Kirchturm hat man mit Beton befestigt, damit er stehen bleibt; die zugehörige Kirche war vor der Flutung von Stalins Leuten gesprengt worden.
Es war mal wieder wunderschön draußen. Und wir sollten um 18:30 Uhr fertig sein für den Captains Cocktail, heute mal „sportlich elegant“. Das hieß für die meisten, eine Bluse anziehen. Axel nahm den hellen Anzug, der schwarze wäre zu viel gewesen, ich hatte dafür das schwarze Kostüm, was noch glänzt, war evtl. overdressed. Und später beim Tanzen war es zu heiß. Wir kamen grade noch zum Ende, wollten eigentlich nicht, wurden aber doch mit dem Kapitän fotografiert, es gab einen Sekt, eine Ansprache vom Kapitän, dann ein leckeres Essen mit der gemeinen Auswahl (beides war toll). Und draußen war ein toller Sonnenuntergang.
Für Tien mal das Essen:

die Aussicht beim Abendessen

das war gehaltvoll...
Was war noch heute Nachmittag? Letztes Mal Russischkurs, Wolga-Chor probt für den bunten Abend,  Dafür wurde aufgerufen, wer ein Gedicht oder etwas vortragen möchte, soll sich melden. Das hat aber niemand getan. Die Japaner sangen uns einige Lieder, es gab zwei Sketche der Reiseleiter, diese sangen auch zwei Liedchen, der zahlenmäßig starke „Wolga-Chor“ sang seine Lieder.
Hinterher war wie jeden Abend Tanz, wir haben mit dem Tango gekämpft, weil kein Platz war, beim Walzer auch nicht, da ging auch nur einfach rundherum, beim Cha-cha war mein Mann damit beschäftigt, zu gucken, wer alles beeindruckt guckt...
Als die Musik um 11 Uhr Pause machte, beendeten wir unseren Abend. Draußen war links eine Stadt zu sehen, Dubna, auch schon die Schleuse, Moskauer Schleuse Nr. 1, wo wir um 23:15 schon früher drin waren als erwartet.

10.9.12 Jaroslawl


Beim ersten Aufwachen schaukelt es fürchterlich, also noch mal umdrehen, immer noch Stausee, vermutlich nicht viel zu sehen. Halb 7 und kalt ist auch nicht zum Aufstehen geeignet...

Halb 8 passt eher, da sind wir auch schon vor der Einfahrt in die Wolga. Nach dem Duschen liegt rechts eine Stadt mit Yachten und einer Yacht-Werft, müsste Perebory gewesen sein, und dann kommt auch schon die Schleuse, davor das Denkmal einer Frau. Vor uns fährt grade die Viktoria rein, und ja, wir passen noch dazu.

Es gibt alle möglichen Arten von Schleusentüren, zuklappen, runterfahren, flach umlegen...

Die Rybinsker Schleuse ist eine schöne, aus roten Steinen und mit einem schönen Stein-Motiv drauf.

Das Frühstück hatten wir in der Schleuse, wir wurden 14 m abgesenkt; in der nächsten Nacht heben sie uns wieder hoch, denn wir müssen den Weg wieder zurück.

Links war es auch städtisch, und um 9:30 Uhr passierten wir die Stadt Rybinsk, die tolle und schön renovierte Bauwerke präsentieren kann. Sie wäre inzwischen schon wieder auf dem absteigenden Ast; hieß mal eine Zeit lang Andropow. 200 000 Einwohner.


Es kam eine Durchsage: Wir kommen schon um 1 Uhr in Jaroslawl an, werden dann gleich in der Mitte auf dem Fluss betankt, und sie hoffen, dass das beendet ist, bis wir um 15:30 für die Ausflüge anlegen. Eigentlich sollte der Tankvorgang während der Ausflugszeit sein, d.h. niemand könnte während der Zeit von oder aufs Schiff. Wäre wohl kein Problem.

Um 11 Uhr war das dritte und letzte Mal Russ. Volkstanz, die Überraschung war eine Urkunde für alle Teilnehmer über unsere hervorragenden Leistungen, um die uns jeder beneidet......

Was stand noch auf dem Programm? Wie kocht man in Russland? als Vortrag. Ein Frühschoppen und ein lustiger Wettbewerb in der Tanzbar.



Von 10 bis 13 Uhr saßen wir mit kurzen Unterbrechungen vorne draußen in der Sonne, ohne Wind. Sonnenbrandgefahr! Während des Essens kamen wir an einem schönen Kloster vorbei und erreichten pünktlich Jaroslawl; drehten mitten auf dem Fluss und das Tankschiff kam. Es gab keine Durchsage, dass man bitte nicht rauchen soll oder so was.

Mittagspause, es passiert mal gar nichts. Um 15:30 müssen alle, die raus wollen, bereit stehen, denn das Schiff legt nur kurz an, um uns rauszulassen, dann fährt es wieder in die Mitte des Flusses, denn es hat noch nicht genug, der Tankvorgang war noch nicht beendet.
Jaroslawl: sehenswert!
älteste Stadt an der Wolga, vor 2 Jahren feierten sie ihre 1000-Jahr-Feier, dazu wurde die Stadt schön renoviert. War mal zeitweilig Hauptstadt Russlands; liegt an der Transsibirischen Eisenbahnlinie. Der Fluss Kotorosl fließt hier in die Wolga. 600 000 Einwohner, 96 erhaltene Kirchen, 117 Industriebetriebe (wenn wir jünger wären, könnten wir zeitweilig dort hin ziehen...). 6 Unis, eine deutsche Schule. Ist auf dem 1000-Rubel-Schein drauf.
Im Krieg ist nicht viel zerstört worden.
Einfach eine schöne und interessante Stadt. Und UNESCO Weltkulturerbe.

Zuerst wurden wir mitten in der Stadt aus dem Bus rausgeschmissen und bekamen draußen gesagt: Dort ist ein Markt, in einer halben Std. ist hier wieder Treffen. Auf dem Markt findet man alles, was man fürs Leben braucht. Wir hatten immer noch nicht oder schon wieder nicht genug Rubel dabei; eine Frau an einem minikleinen Stand nahm nach längeren Verhandlungen dann doch einen 5€-Schein zu den 40 Rubel dazu.
Sehr interessant. Hier möchte ich mal alleine freien Auslauf haben...

Wir gingen geführt zum Sowjetischen Platz und besichtigten die Prophet-Elia-Kirche.

Prophet Elia Kirche Jaroslawl



In 1580 oder 1680 (?) wurde das Innere in 5 Monaten von 12 Malern ausgemalt, während der Sommerzeit, und seither nicht renoviert. Man entfernte nur regelmäßig den Ruß; was glaubt ihr, wie? Man nimmt frisches, nicht mehr warmes Brot und tupft die Wände damit ab. Der Ruß bleibt daran kleben.

In der Kirche und den Vorräumen ist die gesamte biblische Geschichte von Adam und Eva bis zum Ende bildlich dargestellt.

Die Jaroslawler Ikonenmalerei ist berühmt, ist bunt und fröhlich. Es gibt da wohl verschiedene Stile.

Um 17:30 saßen wir wieder im Bus und fuhren zum Erlöser-Verklärungs-Kloster, gebaut vom 15.-19. Jahrhundert. Leider weiß ich davon nicht mehr viel.




Am Ende der Bustour (wo alle Wege nicht weit waren) kamen wir zu einer glänzende Kathedrale, und die Reiseleiterin fragte mal in die Runde, wer diese wie alt schätzt. (Wer vorher gelesen hat, konnte jetzt Streber sein:) Es ist ein Neubau; die Maria-Entschlafens-Kathedrale steht erst 3 Jahre und wurde zum Jubiläum vor 2 Jahren geweiht. Alles ist neu. Nach den Erklärungen draußen gingen wir rein, dort war grade ein Gottesdienst im Gang, mit „Kostümen“, Kopftuch und Weihrauch. Und wir als Touris ganz vorsichtig am Rand dabei. Dadurch hat unsere Reiseleiterin die Zeit vergessen, weil so viel gefragt wurde, was, wie, wieso, wer macht was...







und der war auch "geschäftlich" unterwegs
Dann gingen wir noch ein paar Meter weiter zu einem schönen Aussichtspunkt mit Blick auf die Mündung des Kotorosl mit dem schön angelegten Park, und mit einem Regenbogen hinter der neuen Kirche gingen wir zurück zum Bus.





Die Reiseführerin Tamara hatte auch wieder ein enormes Wissen, hervorragendes Deutsch und Ausdrucksweise. Sie war bei einem ersten Versöhnungstreffen der ehemaligen Kriegsgegner dabei gewesen und konnte das gänsehautmäßig schildern. Auch unsere Führerin in St. Petersburg hatte „wichtige“ Vergangenheit: sie war als Dolmetscherin bei den Verhandlungen zum Bernsteinzimmer eingesetzt. Phoenix hat nicht irgendwen als Reiseführer eingestellt, sondern hochkarätige.

Stress war noch, einen Anhänger für die Karte im Flur zu bekommen; eine Postkarte hatte ich schon in der Kirche gekauft. Die Andenkenhändler vor dem Schiff hatten schon größtenteils abgebaut. Aber es klappte noch. Wir kamen als letzte an Bord.

Gleich Abfahrt und Abendessen (20 Uhr), um 21:30 Uhr gab es ein klassisches Konzert von Dimitri mit Akkordeon und singend und einer (seiner?) Frau am Keyboard. Qualität: hervorragend; wenn die Russen Musiker sind, dann sind sie Spitzenmusiker, nicht weniger.

Müde. In der Nacht fahren wir den Weg auf der Wolga zurück, den wir heute Morgen draußen genossen hatten, Schleuse war nachts ca. um 3 Uhr (nichts gehört).